Menschlichkeit

Die Menschlichkeit ist das Gerüst, das fast jeder Vampir in seinem Inneren trägt, um sich gegen das Tier zur Wehr zu setzen. Menschlichkeit bedeutet dabei nicht, dass der Vampir zu einem Heiligen wird. Vielmehr ist es ihre Hülle, um das Raubtier in ihrem Inneren zu verstecken.
Die bloße Existenz eines Vampirs ist das Anathema zur Menschlichkeit, und so ist es ganz normal, dass ein Vampir an Menschlichkeit verliert – denn irgendwann sind die Sethskinder tot, die er einmal kannte – und spätestens wenn man zwei oder drei Generationen überlebt hat, werden sie auch dem “menschlichsten” Vampir egal. Ein Mensch beschäftigt sich ja auch nicht mit Ameisen..

Die Menschlichkeit in Werten

  • 0 Monströs
  • 1 Schrecklich
  • 2 Grausam
  • 3 Abgestumpft
  • 4 Gefühllos
  • 5 Unnahbar
  • 6 Abwesend
  • 7 Durchschnittlich
  • 8 Liebevoll
  • 9 Mitfühlend
  • 10 Heilig

Die Auswirkungen der Menschlichkeit
Menschlichkeit eines Kainskindes spiegelt wieder, wie gut er seine vampirische Natur leugnen kann und selber als Mensch durchgeht.
- Muss ein Vampir tagsüber agieren, so ist sein Würfel-Pool maximal so hoch wie seine Menschlichkeit. Ein Vampir mit hoher Menschlichkeit steht prinzipiell früher auf und muss später schlafen als ein Vampir mit niedriger Menschlichkeit.
- Bei Tugendwürfen darf der Würfelpool maximal so groß sein, wie der Menschlichkeitswert.
- Die Zeit in Starre, Torpor, ist direkt von der Menschlichkeit abhängig.
- Wenn die Menschlichkeit auf den Wert 0 fällt, verfällt der Vampir ganz dem Tier in seinem Inneren und wird damit unspielbar, da er eine unbeherrschbare, hirnlose Gestalt wird.
- Der Menschlichkeitswert ist abhängig von der Hierarchie der Sünden – wenn ein Vampir absichtlich oder unabsichtlich gegen eine niedrigere Stufe verstößt, so muss er auf Gewissen würfeln, um zu sehen, ob er damit leben kann (und somit Menschlichkeit verliert), oder es bedauert und auf seinem gegenwärtigen Stand bleibt.
- Menschlichkeit kann nur mit Erfahrungspunkten erhöht werden.

Die Todesspirale
Vampire sind Monster, und selbst ein Kainskind mit dem höchstmöglichen Menschlichkeitswert ist nur ein Wolf im Schafspelz. Nichtsdestoweniger werden Vampire
mit dem Verlust ihrer Menschlichkeit nicht nur zu immer verderbteren Taten fähig, sie streben regelrecht danach. Es liegt in der Natur eines Vampirs, zu jagen und
zu töten, und irgendwann hält jeder Vampir den Leichnam eines Gefäßes in den Armen, das er eigentlich gar nicht töten wollte.
Somit ist es wichtig zu wissen, wie Vampire sich mit dem Sinken ihres Menschlichkeitswerts verändern. Selbst unter dem Vorzeichen der Menschlichkeit können
sich Vampire so völlig lasterhaft und fremdartig verhalten, dass der bloße Gedanke an sie anderen Unwohlsein bereitet. Schließlich bedeutet ein niedriger Menschlichkeitswert, dass das Kainskind kaum noch Verbindung zu seinen sterblichen Ursprüngen hat.

Menschlichkeit 10-8
Kainskinder mit so hohen Menschlichkeitswerten sind ironischerweise menschlicher als Menschen. Viele Vampirküken befolgen als Reaktion darauf, dass sie nun Raubtiere sind, strengere Kodizes als zu Lebzeiten. Ältere Kainskinder verhöhnen sie dafür und amüsieren sich sehr über die Vorstellung, wie frisch erschaffene Neugeborene unter Feuertreppen kauern und sich von widerlichem Rattenblut ernähren, nur weil sie völlig nutzlos gegen ihr mörderisches Wesen ankämpfen. In Wirklichkeit sind Vampire, die sich hohe Menschlichkeitswerte erhalten, selten, weil jedes Kainskind früher oder später morden muss. Vampire mit hohen Menschlichkeitswerten sind für Ihresgleichen, die ihre angebliche Naivität und Selbstgerechtigkeit frustriert, fast unerträglich; die meisten Kainskinder erdulden die Anfeindungen des Unlebens lieber, ohne sich abzumühen. Hohe Menschlichkeitswerte bedeuten eine Abneigung gegen das Töten und sogar Abscheu davor, mehr Vitæ zu rauben als nötig. Kainskinder mit so hohen Menschlichkeitswerten sind zwar nicht notwendigerweise inaktiv oder salbadernd, haben aber äußerst anspruchsvolle Standards und oft klare Vorstellungen davon, was moralisch richtig und falsch ist.

Menschlichkeit 7
Die meisten Menschen haben einen Menschlichkeitswert von etwa 7, sodass Vampire mit einem solchen Wert üblicherweise als Sterbliche durchgehen. Vampire mit Menschlichkeit 7 halten sich zumeist an die „gängigen“ gesellschaftlichen Praktiken – es ist nicht akzeptabel,
andere zu verletzen oder zu töten, es ist falsch, andere zu bestehlen, aber an Geschwindigkeitsbegrenzungen muss man sich nicht immer halten. In dieser Phase der
moralischen Entwicklung bedeuten dem Vampir die natürlichen Rechte anderer noch etwas, auch wenn ziemlich viel Egoismus durchschimmert.

Menschlichkeit 6-5
Menschen sterben. Kram geht kaputt. Ein Vampir unterhalb der kulturellen menschlichen Norm hat wenig Probleme mit der Tatsache, dass er Blut zum Überleben braucht und tut, was er tun muss, um es zu bekommen. Er wird zwar höchstwahrscheinlich nicht aktiv darauf
abzielen, das Eigentum anderer zu zerstören oder das Leben eines Opfers zu beenden, doch er akzeptiert, dass das Schicksal das für manche Leute vorgesehen hat. In dieser Phase der moralischen Entwicklung sind Kainskinder nicht notwendigerweise furchtbar, aber der Umgang mit ihnen ist sicher unangenehm. Ihre nachlässige Haltung gegenüber den Rechten anderer stört viele tugendhaftere Personen.

Menschlichkeit 4
Der Vampir beginnt, unaufhaltsam in reinen Instinkt abzugleiten. Menschlichkeit 4 bedeutet, Töten ist für dieses Kainskind akzeptabel, solange sein Opfer den Tod „verdient“ (was natürlich sehr subjektiv ist). Viele Vampirahnen bewegen sich rund um diesen Grad der Menschlichkeit, wenn sie sich nicht für einen anderen moralischen Kodex entschlossen haben. Verwüstung, Diebstahl, Verletzung – all das sind für einen Vampir mit Menschlichkeit
4 Werkzeuge, keine Tabus. Auch treten an dieser Stelle die Pläne des Vampirs an die erste Stelle, und zum Teufel mit denen, die sich ihm in den Weg stellen.

Menschlichkeit 3-2
Das Leben und der Besitz anderer sind für ein Kainskind, das so tief gesunken ist, irrelevant. Der Vampir gibt sich höchstwahrscheinlich perversen Vergnügungen und abartigen Launen hin, die Scheußlichkeiten aller Art umfassen können. Perversion, kaltblütiger Mord, Verstümmelung von Opfern und Arglist um ihrer selbst willen sind die Markenzeichen von Kainskindern mit sehr niedriger Menschlichkeit. Nur sehr wenige Vampire behalten so niedrige oder noch niedrigere Werte sehr lange – an dieser Stelle ist ihre Verdammnis beinahe sicher. In dieser Phase werden körperliche Veränderungen recht
auffallend; der Vampir ist zwar nicht hässlich im Sinne von Nosferatu oder bestimmter Gangrel, doch er sieht blass, leblos und auffällig ungesund aus.

Menschlichkeit 1
Kainskinder mit Menschlichkeit 1 empfinden nur nominell noch etwas und balancieren am Rande des Abgrunds. Für einen Vampir, der so weit gekommen ist, ist fast alles bedeutungslos, selbst seine eigenen Bedürfnisse, die über Nahrung und Ruhe hinausgehen. Es gibt buchstäblich nichts, was ein Vampir mit Menschlichkeit 1 nicht täte, und nur ein paar schäbige Überbleibsel seines Egos stehen zwischen ihm und der völligen Verkommenheit. Viele, die in dieses Stadium eintreten, stellen fest, dass sie nicht mehr kohärent sprechen können, und sie verbringen ihre Nächte Gotteslästerungen ausstoßend
in ihrer blutverschmierten Zuflucht.

Menschlichkeit 0
„Muss ausruhen. Muss trinken. Muss töten.“ Spieler dürfen keine Charaktere mit Menschlichkeit 0 verkörpern. Vampire in diesem Stadium sind völlig dem Tier anheimgefallen.

Menschlichkeit

Ulm by Night PatriceJ